Private-Equity-Freunde ruinieren Hunderte mittelständische Unternehmen


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Abgeschickt von Lars am 23 September, 2009 um 15:01:54

http://www.jungewelt.de/2009/09-23/022.php

23.09.2009 / Kapital & Arbeit / Seite 9Inhalt

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In aller Stille
Während die Bundeswahlkämpfer Opel »retten« und neue Arbeitsplätze versprechen, ruinieren ihre Private-Equity-Freunde Hunderte mittelständische Unternehmen
Von Werner Rügemer

Spur der Verwüstung: Private Equity ruinierte auch Kampa, den größten BRD-Fertighaushersteller
Foto: Kampa AG
Beispiel Monier: Hersteller von Dachziegeln (Marke »Braas«) und Schornsteinen. 1300 Beschäftigte an 15 Standorten in Deutschland, verzeichnet Milliardenumsatz, macht Gewinne, aber steht vor der Pleite. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Monier wurde vom Private Equity-Investor PAI Partners gekauft. Nach der »Heuschrecken«-Methode, mit wenig Eigenkapital und hohen Krediten. Die wurden anschließend dem gekauften Unternehmen aufgebürdet, das dann dafür arbeitet, die Darlehen zurückzuzahlen. Schon beim geringsten Auftrags- und Einnahmerückgang wie jetzt kommt das Geschäftsmodell ins Schleudern.

Hunderten Unternehmen geht es ähnlich. Die neuen Eigentümer haben das Eigenkapital geplündert und die Kreditwürdigkeit auf Null gedrückt. Auch selbst bekommen sie kaum mehr Kredite. Sie drehen deshalb noch heftiger an den Daumenschrauben: Lohnverzicht, Entlassungen, Immobilienverwertung. Sie schicken Scharen von ruppigen Anwälten und hochbezahlten Beratern, um kostensenkende »Restrukturierungen« durchzudrücken.
Heuschrecken von hier
Es sind keineswegs nur US-amerikanische und britische Investoren. Zum Beispiel Odewald & Compagnie. Jens Odewald, Ex-Kaufhof-Chef, wurde 1990 durch seine Beziehungen zu Bundeskanzler Helmut Kohl Vorsitzender des Treuhand-Verwaltungsrats. Da lernte er, wie man Unternehmen ausplündert. Nach der Treuhand gründete er die Private-Equity-Firma. Die wirbt für sich als »Mittelstandsförderer«. Doch deren Spur der (profitablen) Verwüstungen ist lang. Auf ihr findet sich zum Beispiel trans-o-flex. Odewald kaufte das Speditionsunternehmen 2005 von der Deutschen Post und verkaufte es 2007 mit Gewinn an die Österreichische Post. In den zwei Jahren spaltete er das Unternehmen in vier Dutzend Einzel-GmbHs auf, entließ unkündbare Betriebsräte vor Ort, stellte Niedriglöhner ein.

Den Unternehmen, die dem Freund von Bundespräsident Köhler und Bild-Verlegerin Friede Springer jetzt noch gehören, geht es noch schlechter. Zum Beispiel Saargummi: Kaum kam die Autobranche in die Krise, wäre der Autozulieferer beinahe pleite gegangen. Doch die Landesregierung von CDU-Ministerpräsident Peter Müller gewährte einige Monate vor der Wahl schnell eine Landesbürgschaft. 300 der 1200 Beschäftigten sollen entlassen werden bzw. in eine Transfergesellschaft wechseln. Diese Einbahnstraße in die Arbeitslosigkeit wollen die meisten Betroffenen nicht betreten, was die Geschäftsführung als »mangelnde Flexibilität« bezeichnet.

Beispiel Oystar: Diesen Verpackungsmaschinenhersteller brachte Odewald »durch die Aufbürdung des Kaufpreises bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit«, so das Handelsblatt. Die kurz zuvor ausgewechselte Geschäftsführung zahlte den 1000 (Noch-)Beschäftigten im Juli das Urlaubsgeld nicht aus, auf das Urlaubsgeld 2010 sollen sie schon jetzt verzichten. Auch das Weihnachtsgeld für 2009 und 2010 wird es nicht geben, geht es nach der Firmenleitung. 438 Stellen stehen vor dem Aus, und die verbleibenden Noch-Beschäftigten sollen zustimmen, daß ihre Einkommen um zehn Prozent abgesenkt werden. Dies empfiehlt ein anderer »Mittelstandsförderer«, nämlich der Unternehmens- und Merkel-Berater Roland Berger. Der hat im Auftrag Odewalds den »Restrukturierungsplan« erstellt. Als die Betriebsräte protestierten, bezeichnete die Geschäftsführung dies als »Kreuzzug der IG Metall gegen Finanzinvestoren auf Kosten der Belegschaft«.
Ganze Arbeit
Die »Finanzheuschrecken« leisten ganze Arbeit: Call-Center-Anbieter Walter Services, Zeitarbeitsvermittler Tempton – überall geht es ähnlich wie bei Odewald zu. Cerberus schickte die deutschen Woolworth-Kaufhäuser in die Insolvenz. Kingsbridge entließ bisher 340 Beschäftigte von Märklin in die Arbeitslosigkeit.

Auch die bislang größte Privatbank Europas, Sal. Oppenheim, hat als Hauptaktionär nicht nur Karstadt/Arcandor in die Pleite geführt. Oppenheim verantwortet über die beiden Tochterfirmen mit den unscheinbaren Namen Triton und Argantis noch mehr Arbeitslosigkeit. Beispiel Kampa. Der größte Hersteller von Fertighäusern, aufgekauft von Triton, erklärte im Frühjahr 2009 die Insolvenz. Argantis entläßt jetzt 143 Beschäftigte des bedeutenden Fensterherstellers WERU im baden-württembergischen Rudersberg und verlagert in die Niedriglohnzone Thüringen.

Die Private- Equity-Branche trieb wie kaum eine andere die Kreditblase an und hat enorm von ihr profitiert. Sonderdividenden auf Pump, Sonderboni für die Investoren und Manager. Die nun faul gewordenen Kredite der Deutschen Bank, der Commerzbank und anderer »renommierter« Finanzhäuser an die Heuschrecken gehören zu den »toxischen Papieren«. Sie werden in den staatlichen Garantie-Hängematten zwischengelagert.

Die Branche kam durch politische Korruption und mediale Beihilfe zu ihrer privilegierten Situation. Odewald spendete 650000 Mark, um Freund Kohl ein Gerichtsverfahren wegen dessen schwarzer Kassen zu ersparen. Im Fazit-Kuratorium sorgt er für die Finanzierung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Konrad Adenauer-Stiftung vergibt er den Preis für »soziale Marktwirtschaft«. Oppenheim war mit 250000 Euro der größte Einzelspender für Frau Merkels Bundestagswahlkampf 2005. Und die Hyänen bedienen sich: Die Großkanzlei Freshfields, die nebenbei im Auftrag von Finanzminister Steinbrück die Gesetze zur Bankenrettung entwirft, bekam den deutschen Kanzlei-Oscar »Juve-Award« für ihre vorbildliche Abwicklung von Heuschreckendeals.




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