Abgeschickt von Lars am 11 Januar, 2010 um 18:36:09
Antwort auf: Neoliberalimus von Lars am 06 Januar, 2010 um 20:09:48:
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/01/u-6-bei-27509-millionen-nsa.html
Freitag, 8. Januar 2010
"U-6 bei 27,509 Millionen!"
Die Arbeitslosigkeit in den USA bleibt weiterhin eindeutig die Achillesferse für eine potentielle wirtschaftliche Erholung, die diese Bezeichnung auch verdient.
Auch im Dezember 2009 führte die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem Stellenabbau! Die Anzahl des heute vom Bureau of Labor Statistics (BLS) gemeldeten Stellenabbaus lag bei -85'000 Jobs. Für den Monat November wurde der Stellenabbau von -11'000 auf +4'000 revidiert und damit steht der erste Stellenaufbau seit 23 Monaten in der Statistik, dies ist aber kein Grund zur Freude, dafür wurde der Oktober um weitere -16'000 Stellen auf -127'000 Stellen abwärts revidiert. Somit sind per Saldo -1'000 Stellen mehr als ursprünglich im letzten Arbeitsmarktbericht verloren gegangen, nur das man jetzt für November einen Stellenaufbau verzeichnen konnte.
Insgesamt kumuliert sich der Stellenabbau auf gewaltige -7,242 Millionen verlorene Jobs seit Dezember 2007, nur im Jahr 2009 waren es -4,164 Millionen! Die Finanz- und Wirtschaftskrise führte zum längsten und größten Einbruch am US-Arbeitsmarkt seit Beginn der Datenerhebung im Jahre 1939!
> Die Dramatik des Stellenabbaus lässt zwar nach, aber auch ein verlangsamter Stellenabbau ist immer noch ein Stellenabbau. Im Chart der Stellenaufbau/abbau seit Januar 1985. Die Non-Farm Payroll Employments messen die Anzahl der Stellen in mehr als 500 Wirtschaftszweigen der USA, ausgenommen ist die Landwirtschaft. <
> Kumuliert man in jedem einzelnen Monat den Stellenabbau der letzten 12 Monate, erhält man diesen Chart. Eine erste Umkehr ist zu sehen. <
Allerdings beschreibt der Stellenabbau das Problem nur unzureichend, denn eigentlich müssten monatlich ca. 130'000 neue Stellen geschaffen werden, um das Beschäftigungsniveau in der aktuellen Relation zur Struktur und Entwicklung der Bevölkerung konstant zu halten. Bereits im gesamten Jahr 2007 lag der Durchschnitt der neu geschaffenen Stellen unter 130'000 im Monat! Seit 3 Jahren wachsen die Jobs nicht mehr im Gleichklang mit dem Bevölkerungszuwachs! Dies ist ein wesentlicher Punkt wie sich später noch zeigen wird.
Diese Daten zum Stellenaufbau/abbau (Establishment Data) über alle Teilbereiche, außer der Landwirtschaft, werden bei den Unternehmen direkt von der BLS abgefragt. Die Daten zur Beschäftigung der abgefragten Unternehmen reflektieren ein Drittel der lohnabhängigen Beschäftigten.
Die Arbeitslosenquote U-3 liegt im Dezember unverändert bei 10,0% wie im Vormonat, nach 7,2% im Vorjahresmonat! Hinter der aktuellen Arbeitslosenquote von 10,0% verbergen sich saisonbereinigte (seasonal adjusted, SA) 15,267 Millionen offiziell registrierte Arbeitslose, dies sind -73'000 weniger Arbeitslose als im Vormonat, aber es sind immer noch +3,867 Millionen Arbeitslose im Vergleich zum Vorjahresmonat!
> Die US-Arbeitslosenquote U-3 im Chart seit 1948. <
> Die 15,267 Millionen Arbeitnehmer ohne Job, eine marginale Entspannung, nach dem Allzeithoch im Vormonat! Der Langfristchart seit 1948! <
> Ein neues Allzeithoch markiert hingegen die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 6,130 Millionen, die länger als 27 Wochen keinen Job haben! Ein satter Anstieg von +229'000 zum Vormonat und ein regelrecht brutaler Anstieg von +134,68% zum Vorjahresmonat mit damals nur 2,612 Millionen Langzeitarbeitslosen! Im Dezember beträgt der Anteil der Arbeitslosen, die für 27 Wochen oder länger arbeitslos sind, gewaltige 40,15% an den gesamten Arbeitslosen! Ein klares Anzeichen dafür, dass die US-Hire and Fire Ökonomie komplett aus dem Tritt ist, denn nach dem Rausfeuern kommt kein Anheuern! <
> Im Vergleich zu den anderen Zeiträumen der bestehenden Arbeitslosigkeit findet nur noch bei den Langzeitarbeitslosen ein Anstieg statt! <
Die Daten zu den Erwerbsfähigen, dem Stand der Beschäftigung, den Arbeitslosen, der Arbeitslosenquote, sowie die Zahl der Nichterwerbsfähigen (Household Data), werden an Hand einer Umfrage des Census Bureaus bei 60'000 Haushalten für das Bureau of Labor Statistics (BLS) ermittelt!
> Die Anzahl der Beschäftigten sank im Dezember laut den Household Data um kräftige -589'000, anders als man es nach den Establishment Data zum Stellenabbau mit -85'000 vermuten würde! <
Anders als sich der abschwächende Stellenabbau darstellt, sind die Household Data im Arbeitsmarktbericht Dezember ein Desaster! Die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force) waren im Dezember um -661'000 auf 153,059 Millionen gefallen! Im Vormonat verschwanden schon -134'000 Arbeitskräfte, die angeblich dem Arbeitsmarkt abhanden gekommen waren. Im Jahr 2009 kamen kumuliert satte -1,528 Millionen Arbeitskräfte abhanden, während die Civilian Noninstitutional Population, also die erwerbsfähige Bevölkerung ab 16 Jahren, die sich nicht im aktiven Militärdienst oder auch in Gefängnissen, psychiatrischen Einrichtungen oder anderen Institutionen befindet, um kräftige +1,889 Millionen auf 236,924 Millionen gestiegen ist! Die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte sind mehr als relevant, denn sie sind die Bezugsgröße von der, zusammen mit der Anzahl der Arbeitslosen, die Arbeitslosenquote ermittelt wird.
Sinkt die Anzahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, so wie diesen Monat kräftig, wirkt sich dies unmittelbar positiv auf die ermittelte Arbeitslosenquote aus. Im Dezember stieg sie dadurch nicht weiter an. Mit diesem Mittel wird die Quote passend gemacht!
Noch wesentlich fragwürdiger, intransparenter und manipulativer ist der extrem hohe Anstieg auch im Dezember von +843'000 Arbeitskräften, die dem Arbeitsmarkt (Not in Labor Force) angeblich nicht mehr zur Verfügung standen, nach bereits +326'000 im November! Monat für Monat steigt die Zahl der Nichterwerbsfähigen - ein weiterer Statistik-Witz! Nichterwerbsfähig und damit für die Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquote nicht relevant, waren im Dezember insgesamt saisonbereinigte 83,865 Millionen erwachsene Personen!
Im Vergleich zum Vorjahresmonat stehen gewaltige 3,417 Millionen erwachsene Personen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung! Hier wird die statistische Manipulation deutlich nachvollziehbar, denn es sind mehr Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt abhanden gekommen, als der komplette Bevölkerungsanstieg ab 16 Jahren (Civilian Noninstitutional Population) im Jahr 2009 in den USA betrug. Die Bevölkerung ab 16 Jahre stieg um 1,889 Millionen - während die Zahl der Nichterwerbsfähigen um 3,417 Millionen stieg! Da jeder der 3,417 Millionen im Jahr 2009, der in der Statistik-Rubrik Not in Labor Force gelandet ist, praktischerweise nicht als arbeitslos zählt und dieses statistische Mittel zur Manipulation der Arbeitsmarktdaten in diesen Dimensionen etwas zu offensichtlich wird, hat die BLS die lange Datenreihe "vorsichtshalber" aus seiner Datenbank genommen!
Diese statistische Verbiegung im Langfristchart seit Januar 1990:
> Logischerweise muss der Anstieg der erwerbsfähigen Bevölkerung ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population - blau) höher sein, als der Anstieg der Nichterwerbsfähigen (Not in Labor Force - rot). Dass dies in den USA auch anders geht, wollen uns die Daten der BLS seit Juli 2009 glaubhaft machen! <
So sieht der Langfristchart Not in Labor Force aus:
> 83,865 Millionen Erwachsene, die dem Arbeitsmarkt im Dezember angeblich nicht mehr zur Verfügung standen, nach 83,022 Millionen im Vormonat und 80,448 Millionen im Vorjahresmonat! Der eh schon exponentielle Anstieg wird 2009 durch den noch stärkeren Anstieg im American Style Modus powered by BLS abgelöst! <
Nachdem mit statistischen Beschönigungen und kreativer Buchführung jahrelang der Wealth Effekt gefördert wurde, dient nun in der Krise die Statistik dazu, die wahren Ausmaße des Abschwungs zu verschleiern!
> Noch deutlicher macht die statistischen Verbiegungen dieser Chart seit 1948. Er zeigt das Verhältnis der Beschäftigten zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Im Dezember fiel das Verhältnis auf 58,2%, auf den tiefsten Stand seit August 1983! Der Durchschnitt des Ratio zwischen dem Jahr 2000 bis 2008 lag bei 62,93%! <
Die Anzahl der Beschäftigten (137,792 Mio.) in der Relation zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ab 16 Jahre (Civilian Noninstitutional Population: 236,924 Millionen aus: Civilian Labor Force+Not in Labour Force) sank also auf nur noch 58,2%. Zur Gesamtbevölkerung (308,254 Mio.) betrug das Verhältnis sogar nur 44,7%!
In der breiter gefassten Arbeitslosenquote U-6 erscheinen zusätzlich die Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchen, die marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer und die sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten.
> Die Anzahl der saisonbereinigten Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchten, sank im Dezember leicht um -61'000 auf 9,164 Millionen, nach dem Allzeithoch im Vormonat! Zum Vorjahresmonat handelt es sich um ein Anstieg von +13,3% bzw. um +1,074 Millionen zum Vorjahresmonat! Im Chart die Daten seit Januar 1978. <
> Die nicht saisonbereinigte Anzahl der marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer stieg auf ein Allzeithoch um +163'000 auf 2,486 Millionen! Die Daten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1994. <
> Die Anzahl der nicht saisonbereinigten, sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten, stieg auch auf ein neues Allzeithoch, um +68'000 auf 929'000. <
Die saisonbereinigten Daten dieser Gruppen zusammen mit den Arbeitslosen aus U-3 ergeben die Quote U-6:
> Zum Vergrößern bitte die Tabelle anklicken. Die saisonbereinigte breiter gefasste Arbeitslosenquote U-6 stieg im Dezember leicht auf 17,3% (siehe Tabelle rechts unten), nach 17,2% im Vormonat und 13,7% im Vorjahresmonat! Quelle: PDF BLS Tabelle Seite 22 <
> Die Entwicklung der US-Arbeitslosenquote U-6 seit Januar 1994, dem Beginn der Datenerhebung. <
Die Zahl der breiter gefassten Arbeitslosen nach U-6 stellt sich im Detail nach den komplett verfügbaren nicht saisonbereinigten Daten wie folgt dar:
* U-3 (NSA) 14,740 Mio.
* Part Time for Economic Reasons (NSA) 9,354 Mio. (Allzeithoch)
* Marginally Attached to Labor Force (NSA) 2,486 Mio. (Allzeithoch)
* Discouraged Workers (NSA) 0,929 Mio. (Allzeithoch)
Fazit: Die gesamten nicht saisonbereinigten (NSA) Arbeitslosen und Erwerbsfähigen ohne adäquaten Job, stiegen im Dezember um gewaltige +1,027 Millionen auf 27,509 Millionen an, nach 26,482 Mio. im November und nach 26,102 Mio. im Oktober!
Aber auch diese miesen Arbeitslosenzahlen sind noch geschönt, denn die entmutigten Arbeitnehmer, welche auf Grund fehlender Jobs aufgegeben haben und seit einem Jahr nicht mehr nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz suchen, entfallen seit der Clinton-Ära auch komplett aus der Arbeitslosenstatistik U-6. Aus der enger gefassten Arbeitslosenstatistik U-3 fallen die entmutigten Arbeitnehmer bereits nach einem Monat heraus!
John Williams von Shadow Government Statistics (SGS) bereinigt die Arbeitslosenzahlen U-6 um die offiziell vorgenommenen statistischen Veränderungen bei der Datenerhebung der entmutigten Arbeitnehmer! Unglaubliche 21,9% bzw. 33,52 Millionen ohne Job bzw. ohne ein adäquates Beschäftigungsverhältnis, so das Ergebnis von Williams für Dezember 2009!