Abgeschickt von Johannes Naumann am 12 Januar, 2010 um 19:55:04
Kapitalismus und Altruismus - Gedanken zu unserer Gesellschaft von Johannes Naumann
Das erste Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist jetzt, in meinem zwanzigsten Lebensjahr, vollendet.
Die Fragen die mich beschäftigen sind u. A.: was macht uns Menschen im 21. Jahrhundert aus, wie ist unsere Gesellschaft organisiert? Wer und Was bestimmt Wie mein Leben? Was unterscheidet mich hypothetisch von vorherigen Generationen, was habe ich beibehalten?
Ich denke, zu einem absolut wahrheitsgetreuem Urteil kann ich nicht kommen, denn wer von uns hat schon in Leibeigenschaft des mittelalterlichen Feudalismus gelebt, wer von uns hat schon versucht absolut nach Vorbild prä- gesellschaftlicher Verhältnisse des Jagens und des Sammelns zu leben?
Wir alle leben jede Minute den technologischen Fortschritt, ja wir leben nahezu FÜR den Fortschritt.
Was bringt mir technischer Fortschritt? Ja, die Gefahr, bei einer Infektion zu sterben ist drastisch reduziert: medizinischer Fortschritt. Ich kann mittlerweile für verhältnismäßig geringen Aufwand an das andere Ende des Globus fliegen. Ich bin keineswegs mehr selbst für meine Lebenserhaltung zuständig, das sind vor allem heute Traktoren, Mähdrescher u. s. w. Vor rund zweitausend Jahren waren das Heere von Sklaven.
Das sind nur wenige von den vielen, grundlegenden Beispielen der Lebensverhältnisse in der Postmoderne. Ein armer Bürger Namibias kann daraus eher kaum Nutzen beziehen, man könnte sogar vermuten lassen, dass es diesem Menschen in seinen ursprünglichen, naturalistischen Lebensverhältnissen besser ergehen würde als jetzt.
Also inwiefern nützt uns heute die Wissenschaft und die Forschung, um in einer Gesellschaft nach allgemeinem Glück zu streben? Um uns als, zum Bewusstwerden heranwachsende, Lebewesen zu komplettieren? Leider viel weniger als ich im ersten Augenblick des Nachdenkens vermute! Naturwissenschaft ist heute viel mehr, fast gegensätzlich zu hauptsächlich dem neunzehnten und achtzehnten Jahrhundert, aber auch davor, eine oligarchisch strukturierte “Existenzergründungsweise”. Sie wird dafür genutzt, uns morgen eine neue Generation von Fernsehern zu verkaufen.
Man kann nur niemanden die Alleinschuld dafür geben. Treffend ausgedrückt: “Wir verkaufen uns selbst den Mist”.
Wir heutigen Menschen müssen uns ein aufgeklärtes Bewusstsein über die Frage des Konsums schaffen.
Im eingegrenztem Konsumverlangen liegt die Chance einer optimalen Zukunft. Aber das sind alles Phrasen die einer Konkretisierung und Gedanken zur Anwendung bedürfen.
Wichtig ist, dass man sich, um aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit heraus zu finden, mittels der Wissenschaft das nötige Wissen schafft, z.B. geschichtliches Wissen. Und da vor allem weniger Politgeschichte, vielmehr mit soziologischen Aspekten. Wie hat der einfache Mensch damals gelebt? Wer und Was hat Wie sein Leben bestimmt? Welches Wissen besaß er noch nicht?
Biologie ist im weiter entfernten Sinne auch bewusstseinserweiternd: Darwin beschäftigt uns alle. Hitler war ein Sozialdarwinist. Heute leben wir im Wirtschaftsdarwinismus bzw. im Neoliberalismus.
Die Frage ist doch aber auch: ist das denn alles schlecht? Ich sage hauptsächlich “ja”. Denn der präkapitalistische Theismus ließ zwar kaum Fortschritt und allgemeinen Wohlstand zu, jedenfalls der abendländische, aber er schaffte in seinen Grundaussagen eine altruistische Ideologie. Ich bin selbst konfessionslos, doch eine basisaltruistische Gesellschaft ziehe ich einer darwinistisch orientierten Realität vor!
Dafür würde ich auch liebend gerne auf HDTV und 3D Kino verzichten, ganz zu schweigen von dem neuen Q7, den werd ich mir niemals leisten können und die meisten anderen Menschen auch nicht! Brauchst Du, Leser, selbst einen Ausdruck für Wohlstand? Möchtest du dich durch materielle Bereicherung über weniger Besitzende stellen? Bedeuten dir die ganzen elektronischen Spielereien in den neuen Autos so viel und tragen diese zur Erhöhung deines Lebensstandards bei? Existiert eine Notwenigkeit zu einer so ungeheuer maßlosen Produktvielfalt?
Wo bleiben da die sozialen Bemühungen in der allgemeinen Entwicklung…