Was
ist Neoliberalismus?
Interview
zum Thema Tariflohnpflicht
Die
künstliche Forcierung des Welthandels, also die
Globalisierung, zwingt zum weltweiten Dumpingsystem. Der
Neo-Liberalismus ist die natürliche Folge einer falsch
verstandenen Weltoffenheit und
Internationalisierung. Wie das
alles miteinander zusammenhängt und wie die einzelnen
Staaten ihre politische Handlungsfreiheit wiedererlangen
erfahren Sie anschaulich in den Büchern Das
neue Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems. Anti-Globalisierung.
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Weiterführende
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uns die Globalisierung in den Ruin? Der
Einfluss der Globalisierung auf die Politik Das
Scheitern der Globalisierung war
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Humanisierung des Kapitalismus ist
möglich! Brauchen
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Texte zum Thema Neoliberalismus: Liberalismus
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Der Kombilohn Weiterführende
Texte zum Thema Deutschland: Staat,
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Konjunkturprogramms Der
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Kein
Erbarmen mit den Landwirten?
Kaum
etwas ist hinterhältiger als die Verwendung schwammiger
Begriffe zur Durchsetzung strategischer Ziele. Mit dem so
fortschrittlich klingenden Begriff "Neoliberalismus" wird
viel Schindluder getrieben, weil nur wenige sich vorstellen
können, was genau sich hinter dieser Bezeichnung
verbirgt, was im konkreten Einzelfall also gemeint ist.
In der Tat sind selbst die wissenschaftlichen Definitionen
darüber nebulös und unklar. Es gibt viele
wohlklingende und schmeichelhafte Erläuterungen, die
mit dem tatsächlichen Verständnis wenig gemein
haben. Es ist ähnlich wie beim Kommunismus, der in der
Theorie die schönsten Hoffnungen weckt, an der realen
Welt jedoch scheitert.
Wer heute den Neoliberalismus propagiert, will im Endeffekt
die weitgehende Ausschaltung des Staates aus dem
wirtschaftlichen Lenkungsprozess, will den Kräften des
Marktes absoluten Vorrang einräumen. Die
Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Globalisierung
(Abbau der Zollgrenzen) gelten z. B. als typische
neoliberale Ansinnen. Was die Neoliberalen wirklich wollen
wird deutlich an ihrem oberstem Glaubensbekenntnis: "Die
Weltprobleme werden dadurch gelöst, dass man der
Wirtschaft die Führungsrolle vor der Politik
überlässt".
sw-magazin: Sie befürworten eine Art
Tariflohnpflicht, also die Gültigkeit der
Flächentarife auch für nicht organisierte
Betriebe. Würde dadurch das Lohnniveau nicht auf
breiter Front steigen?
Müller: Ja, genau das ist auch beabsichtigt!
sw-magazin: Ihnen ist doch wohl bewusst, dass viele
Firmen Tariflöhne gar nicht zahlen können und dann
schließen müssten? Die Arbeitslosigkeit
würde durch die Ausweitung der Flächentarife also
ansteigen.
Müller: Ich frage zurück: Wollen Sie die
Marktwirtschaft, ja oder nein? Wenn Sie für die
Marktwirtschaft sind, können Sie auf Dauer schlecht
geführte Firmen nicht dadurch retten, dass Sie ihnen
Sonderrechte einräumen und Subventionen zuschanzen. Am
Ende würden die gehätschelten kranken Betriebe die
gesunde Konkurrenz in Bedrängnis bringen.
Marktwirtschaft funktioniert nur, wenn faire und gleiche
Bedingungen herrschen. Insofern ist auch das
Arbeitsplatzargument irreal. Letztlich ist es doch egal, ob
Firma A oder B etwas produziert oder verkauft. Wenn z. B.
Holzmann Pleite macht, treten andere Baufirmen an dessen
Stelle.
sw-magazin: Aber durch die generelle Gültigkeit
des Flächentarifes würde doch der
Industriestandort Deutschland weiter geschwächt.
Müller: Auch das ist richtig. Aber die Probleme
der Globalisierung lassen sich langfristig sowieso nicht
durch Lohnzurückhaltung lösen. Diese falsche
Bescheidenheit zeichnet verantwortlich dafür, dass die
wahren Hintergründe der Schwierigkeiten weiter
verschleiert werden. Die Politik schummelt sich auf diese
Weise nur durch und schiebt die wahren Probleme vor sich
her.
sw-magazin: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein
Schrecken ohne Ende?
Müller: Eine drastische Formulierung, aber im
Prinzip ist sie richtig. Wegen der gewaltigen
Lohnunterschiede - ein deutscher Angestellter verdient etwa
das Fünfzigfache wie ein ebenso qualifizierter und
tüchtiger Chinese - steuern wir langsam aber sicher der
Apokalypse entgegen. Wir können unser Lohnniveau nicht
beliebig herunterschrauben, weil dann die Bevölkerung
und der Staat den finanziellen Verpflichtungen nicht mehr
nachkommen können.
Die Staatsverschuldung pro Einwohner ist in Deutschland etwa
hundertmal höher als in China, die Staatskosten pro
Bürger (Verwaltung, Ausbildung, Sozialwesen,
Infrastruktur) kosten hier auch mindestens das Zehnfache -
wir können in Deutschland angesichts dieser Erblasten
nicht zu chinesischen Bedingungen produzieren. Gleichsam
dürfen wir nicht darauf hoffen, dass die Löhne in
China oder Indien sich unserem Niveau bald annähern.
Angesichts der immer deutlicher zu Tage tretenden
Diskrepanzen bei den Produktionskosten können wir uns
nach alter Manier vielleicht noch zehn Jahre durchmogeln -
dafür ist der Zusammenbruch dann um so schrecklicher.
Eines Tages werden die Staatseinnahmen drastisch einbrechen
und die Arbeitslosenzahlen rasant ansteigen.
sw-magazin: Was also schlagen Sie vor?
Müller: Die Marktwirtschaft kann nur gedeihen
bei fairen und gleichen Verhältnissen. Diese aber sind
wegen des unvernünftigen Abbaus der Zollgrenzen nicht
mehr vorhanden.
Was wir brauchen, sind also zunächst einmal Mechanismen
zum Ausgleich ausländischer Standortvorteile. Wir
benötigen eine solide gerechte Basis für das
inländische Unternehmertum, in dem auch
Kleinunternehmer und Freiberufler wieder eine echte Chance
haben.
Ein wichtiger Baustein für diese faire Basis ist der
Flächentarif. Aber es gibt viele Dinge, die ebenfalls
korrigiert werden müssen, um den unseligen
Verdrängungswettbewerb der Konzerne und Filialisten und
den Trend zur Monopolisierung umzukehren.
sw-magazin: Was also müsste noch in Angriff
genommen werden?
Müller: Es bringt wenig, einzelne Punkte
herauszugreifen. Die entscheidenden Maßnahmen habe ich
bereits genannt, aber erst in ihrer Gesamtheit machen alle
Schritte einen Sinn und bilden ein vernünftiges
Fundament. Um die Notwendigkeit der Reformen einzusehen,
bedarf es Verständnis für die komplexen
Zusammenhänge der Weltwirtschaft, das bislang leider
nur spärlich vorhanden ist.
Es macht wenig Sinn, an dieser Stelle alle Versäumnisse
aufzuzählen und zu erläutern. Ich verweise daher
auf mein jüngst erschienenes Taschenbuch
"Anti-Globalisierung. Zurück zur Vernunft!". Hier wurde
auf 96 Seiten alles Wesentliche übersichtlich geordnet
und leicht verständlich zusammengefasst. Wer dieses
Buch gelesen hat, weiß worauf es jetzt ankommt und
wird kaum noch offene Fragen haben.
sw-magazin: Herr Müller, wir danken Ihnen
für das Gespräch!
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zum Thema Neo-Liberalismus
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue
Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.