Bringt
eine Reichensteuer den erhofften Erfolg? von
Manfred Julius Müller - April 2009 Es
ist Wahlkampf - und schon wird wieder einmal die
Uraltklamotte "Reichensteuer" aus dem Hut gezogen. Das
Kalkül dieser populistischen Trumpfkarte scheint genial
und einfach: Die Reichen sind in der starken Minderheit, man
verprellt kaum eigene Klientel und kann sich dennoch beim
Großteil der Bevölkerung so richtig einschleimen
und den Robin Hood herauskehren. Sachlich
gilt die Reichensteuer bei den meisten Experten als
törichte Lachnummer. Denn es hat sich längst
herumgesprochen, dass wir heute in einer freien
globalisierten Welt leben, in der man Großverdiener
und Vermögende nicht einfach im Hochsteuerland
wegsperren oder festhalten kann. Gutverdienende
Leistungsträger sind die Stützen jeder
Gesellschaft, der Schlüssel zum breiten Wohlstand.
Diese Eliten sind überall in der Welt begehrt. Mit
verlockenden Angeboten (und niedrigen Abzügen) versucht
mehr oder weniger jeder Staat, die besten Wissenschaftler,
Ingenieure und Professoren für sich zu gewinnen und aus
dem Ausland abzuwerben. In
Deutschland dagegen proben viele Politiker den umgekehrten
Weg: Die ewigen Diskussionen über eine Anhebung der
Reichensteuer (bzw. Erbschafts- und Vermögenssteuer)
irritieren die Eliten aus dem In- und Ausland - immer mehr
kluge Köpfe wandern aus, während die
Armutsflüchtlinge
aus aller Welt
von unserem Sozialsystem schwärmen und an unsere
Türen klopfen. Nachtrag:
Im Jahr 2009 kehrten laut Statistischem Bundesamt 734.000
Menschen der Bundesrepublik den Rücken - im gleichen
Zeitraum zogen 721.000 Personen aus dem Ausland nach
Deutschland. Sigmar
Gabriel: "...müssen die Spitzenverdiener auch ein
Stück zurückgeben an die Gesellschaft, die diese
Grundlage auch ihres persönlichen Reichtums doch
bezahlt hat". Was
Gabriel sagt, hört sich vordergründig gut an. Aber
"ein Stück zurückgeben" - erfolgt das nicht schon
längst? Sind
47,5 Prozent Spitzensteuersatz etwa gar nichts, "kein
Stück"? (45 % reiner Spitzensteuersatz, auf diese Summe
dann noch einmal 5 % Solidaritätszuschlag). Wird
da nicht dem Wähler eine Unmoral bzw. Steueroase
suggeriert, die bei weitem nicht vorhanden ist? Mythos
Reichensteuer: Gibt
es einen bedeutenden Staat, der noch mehr Sozialleistungen
bietet als Deutschland? Gibt es ein weiteres Land, in dem es
einkommenslosen Familien nicht selten besser geht als
Niedrig- oder Durchschnittsverdienern (Kinderarmut). 2001
beschloss die Koalition aus SPD und Grünen eine
Absenkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42
%. Die
CDU/SPD-Koalition wiederum erhöhte diesen
Spitzensteuersatz auf 45 % (beginnend mit dem 1. 1. 2007 und
wirksam ab einem Einkommen von 250.000 Euro bei Ledigen bzw.
500.000 Euro bei Verheirateten). Eine
Reichensteuer wird zu Einnahmeausfällen
führen! Nicht
nur, weil eine nicht unerhebliche Zahl der "Besserverdiener"
aus unserem Land vergrault wird und damit Steuereinnahmen
wegfallen - unser Land wird von ausländischen Eliten
und Investoren auch als weltfremd und unattraktiv
wahrgenommen. Dadurch schrumpft allmählich unsere
technologische Kompetenz und somit die industrielle
Leistungsfähigkeit. Der
tatsächliche Schaden durch die Reichensteuer ist
letztlich kaum zu ermessen und sicher weit höher als
der kurzfristige Nutzen. Warum
hat die SPD den Spitzensteuersatz 2001 gesenkt? Reichensteuer
für neuerliche "soziale Errungenschaften" ... Dass
sich derlei Umverteilungen später als
Milchmädchenrechnungen herausstellen, merkt der
Wähler erst nach dem Urnengang. Wenn
überhaupt! Mythos
Reichensteuer: So
kommt es leider wie es kommen muss: Letztlich zahlen die
Gering- und Durchschnittsverdiener die Zeche, bei ihnen
bleibt alles hängen, sie können sich nicht so
einfach ins Ausland absetzen. So darf es dann auch nicht
weiter verwunden, dass die Nettoeinkommen der Facharbeiter
sich in den letzten
30 Jahren verringert haben
(trotz aller produktiven Fortschritte). Mythos
Reichensteuer: Doch
mit dem Wenn und Aber kommt man nicht weiter - wir haben nun
einmal keine Weltregierung, wir haben keine einheitlichen
Spitzensteuersätze! Also dürfen wir auch nicht so
tun, als seien sie vorhanden. Mythos
Reichensteuer: "Wer
sich nicht schämt ein Deutscher zu sein ist
rechtsradikal". Dieser häufig verwendete Satz sagt
genug. Welche Spitzenkraft wird bei einer solch
allgegenwärtigen Grundhaltung noch irgendwelche
Pflichtgefühle gegenüber seinem Heimatland
entwickeln? Schon
Studenten planen den Abgang... In
diese Auslese der jungen Generation hat der Staat 25 Jahre
investiert - und den Nutzen daraus ziehen dann andere
Länder. Mythos
Reichensteuer: Aber
diese immer wieder genussvoll ins Rampenlicht gezerrten
Ungereimtheiten tragen wenig zur Versachlichung des Themas
bei. Überall tummeln sich schwarze Schafe und
Betrüger, aber dies darf man doch nicht verallgemeinern
und kollektiv bestrafen! Es sind schließlich die
gesetzgeberischen Versäumnisse des Staates, die die
ungebührlichen Abzocker-Exzesse erst
ermöglichen. Und
wenn man schon den Moralapostel spielt: Warum regt sich dann
kaum Widerstand gegen Millionengagen der großen
Publikumslieblinge - den Superstars vom Sport, Film,
Fernsehen und aus der Musikbranche? Warum stoßen wir
uns nicht einmal an den aberwitzigen Nebeneinkünften
mancher Berufspolitiker. Richtige
Entscheidung! Mythos
Reichensteuer: Offenbar
geht es diesen Leuten gar nicht mehr um das Volkswohl, so
wie es das Grundgesetz gebietet. Sie denken taktisch: "Erst
müssen wir die Wahl gewinnen (mit welchen Methoden auch
immer) und dann können wir sehen, was wir für die
Bevölkerung tun können". Und
deshalb wird selbst in Zeiten der akuten
Weltwirtschaftskrise mit alten Tricks zu punkten gesucht:
höhere Reichensteuer, Vermögenssteuer,
Börsenumsatzsteuer
- dafür mehr Geld für die Familien und
Bildung.
Wer kann da noch nein sagen. Klingt doch alles
gut... "Aber
in anderen Ländern funktioniert doch die
Reichensteuer..." Verschwiegen
wird, dass in der Regel dann auch die Umstände ganz
andere sind. Die höhere Grundsteuer in manchen
Ländern erklärt sich zum Beispiel oft schon
dadurch, dass dort in den Grundsteuern bereits die
Müllabfuhr, Abwasser- und
Straßenreinigungsgebühren enthalten
sind. Bei
den hohen Einkommenssteuern in Skandinavien gilt es zu
beachten, dass dort im Gegenzug kaum oder nur sehr geringe
Sozialversicherungsbeiträge erhoben werden (die
Abgabenlast insgesamt also etwa gleich ist). Für
einen fairen Vergleich muss man also auch das Umfeld
berücksichtigen. Ebenso wie den Standort:
Großbritannien zum Beispiel genießt eine
ziemlich abgeschottete Insellage, es grenzt nicht wie
Deutschland an acht Nachbarstaaten mit gegeneinander
konkurrierenden Steuersystemen. Mythos
Reichensteuer: Steuerschlupflöcher
erlauben manchen Großverdienern und
Vermögenden (und auch den Konzernen), sich vor der
Steuerpflicht zu drücken und sich auf legale Weise
durchzuschummeln. Angela
Merkel hat in ihrem Wahlkampf 2005 immerhin versucht, dieses
bekannte Grundsatzproblem anzugehen und durch ein
Steuervereinfachungsgesetz die Voraussetzungen für mehr
Steuergerechtigkeit zu schaffen. Leider wurde ihr aber
dieser mutige Vorstoß wenig gedankt: In einer
äußerst polemisch geführten Gegenattacke
gelang es dem Altkanzler Gerhard Schröder, das
zukunftsweisende Kirchhof-Modell zu diskreditieren (und
damit für lange Zeit zu verhindern). An
das Ausland geben wir damit ein völlig falsches Signal
- wir erscheinen oberflächlich als abschreckendes
Steuerhochlohnland, während der hohe
Gestaltungsspielraum im Verborgenem bleibt. Die
"Besserverdiener" sind immer die Gelackmeierten: Sie
müssen die hohen Steuersätze ertragen und haben
bei der Steuervermeidung kaum Chancen. Nur
die wirklich Reichen können sich die besten
Steuerexperten leisten und sich arm rechnen. Durch
pauschale Anhebung der "Reichensteuern" wird das Unrecht nur
verschlimmert. "Die
Reichensteuer war schon immer ein beliebter
Wahlkampfschlager - die perfekte Masche, um auf
Dummenfang zu gehen." Mythos
Reichensteuer: Ursache
für diese gigantische Fehlentwicklung ist nicht die
mangelhafte Umverteilung, sondern der globale
Lohndumpingwettbewerb, den man sich mit dem Verzicht
auf angemessene Zollgrenzen selbst eingehandelt hat. Ohne
die durch den Abbau der Zölle (und der Subventionierung
der Transportkosten) bewusst eingeleitete Globalisierung
hätte es auch die jetzige Banken- und
Weltwirtschaftskrise nicht gegeben. Denn erst die
Globalisierung macht den Kapitalismus wild und unberechenbar
und entzieht
den Regierungen die Kontrolle über die eigene
Volkswirtschaft. Außerdem
würden Politiker, die sich tatsächlich dem
Volkswohl verpflichtet fühlen, wohl kaum die
absurde
Bestrafung der Arbeit
weiter dulden. Aber
eine dumpfe Neid- und Umverteilungskampagne bringt leider
mehr Beifall und Zustimmung als die wahren Ursachen der
globalen Krise anzugehen. "In
Dänemark klappt es doch..." Wie
sehr die Leute von Spitzenpolitikern bezüglich der
Reichensteuer genasführt werden, konnte man gestern
(29.7.2009) am Fernsehschirm miterleben. Da
wurde doch tatsächlich argumentiert, dass in
Dänemark die hohen Lohn- und Einkommensteuern bestens
funktionierten, denn den Dänen ginge es doch
gut. Was
dabei nicht erwähnt wurde: 2.
Dänemarks Mehrwertsteuersatz ist mit 25 % deutlich
höher als in Deutschland (19 %). Berücksichtigt
man noch die dänische Luxussteuer (beim Pkw ca. 100 %)
werden die Unterschiede zur deutschen Konsumsteuer noch viel
deutlicher. 3.
Dänemark grenzt nicht an Billiglohnländer (hat
also viel weniger direkte Dumpingkonkurrenz als Deutschland)
und lässt unqualifizierte Wirtschaftsflüchtlinge
(die den Arbeitsmarkt und das Sozialsystem belasten
würden) kaum ins Land. 4.
Dänemark ist ein souveränes Land mit
einer eigenen Währung
(und hat dadurch mehr Einfluss auf die Gestaltung der
eigenen Wirtschaft). Home
(Startseite www.neo-liberalismus.de)
Pro
und contra Reichensteuer: Wie sozial ist die
Mehrwertsteuer? Reichensteuer:
Die unsichtbaren Grenzen des
Sozialstaats Die
Humanisierung des Kapitalismus ist
möglich! Ökosteuer
statt Reichensteuer: In 20 Jahren unabhängig vom
Erdöl! Pro
und contra Reichensteuer: Generation
Praktikum Wie
erklärt sich das kollektive Versagen der
Ökonomen? Welches
Wahlprogramm hat Vorrang in der Wirtschaftskrise?
Können CDU, SPD, FDP, die Grünen oder die
Linkspartei mit ihren Wahlprogrammen
überzeugen? Naht
das Ende der
Globalisierung?

"Mehr Solidarität" und "breite
Schultern"...
Fromme
Sprüche helfen in dieser Neiddiskussion leider nicht
weiter. Es macht sich zwar gut, wenn man als Politiker
"mehr
Solidarität"
einfordert und darauf verweist, dass breite Schultern auch
mehr "Verantwortung" tragen können. Dabei sind diese
Mahnungen aber gerade in unserem Land mehr als verfehlt,
denn ich kenne kein großes Land, in dem mehr
umverteilt wird als hierzulande.
Es
ist leider so: Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes
bringt langfristig keine Mehreinnahmen. Zwar kann der
Staat kurzfristig seine Steuereinnahmen
geringfügig aufbessern, langfristig gesehen aber
brechen die Einnahmen weg.
2001
beschloss die Koalition aus SPD und Grünen eine
Absenkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42 %. Warum tat
sie das?
Sicherlich nicht, weil sie ihr Herz plötzlich für
die Reichen entdeckt hatte und ihre Stammwähler einmal
so richtig provozieren wollte. Nein - sie handelte aus der
Einsicht, dass in einer globalen Welt ein Steuerwettbewerb
herrscht und hohe Spitzensteuersätze nichts bringen,
wenn Konkurrenzländer in dieser Hinsicht für die
Reichen wesentlich attraktiver sind.
Mit
dem Thema Reichensteuer punkten die Populisten gleich in
doppelter Weise. Zum einen attackieren sie die weithin
unbeliebten Besserverdiener, zum anderen können sie dem
Wahlvolk ungeniert weitere soziale Wohltaten versprechen,
denn sie haben ja vordergründig eine
Gegenfinanzierung präsentiert.
Denn nach alter Sitte werden Fehler natürlich niemals
eingestanden und stattdessen irgendwelche anderen Ursachen
vorgeschoben (schlechte Weltwirtschaftslage, zu hohe
Lohnabschlüsse, hohe Rohstoffpreise usw.).
Letztlich muss der Mittelstand wieder die Zeche zahlen!
Wie
die Praxis immer wieder lehrt, lassen sich die Eliten nicht
über Gebühr ausnehmen. Sie ziehen die
Konsequenzen, wenn der Staat sie als Goldesel missbrauchen
will.
Wenn wir eine Weltregierung hätten...
Wenn
wir eine Weltregierung hätten und die
Spitzensteuersätze in allen Staaten gleich wären,
dann könnte man getrost den Großverdienern noch
mehr abverlangen (weil die Fluchtwege versperrt
wären).
Aber selbst in einer solch fiktiven Situation dürfte
man den Bogen nicht überspannen - denn wenn sich
Leistung kaum noch auszahlt, wird sich auch keiner mehr
groß anstrengen.
Es fehlt auch noch der Patriotismus...
Zwar
gibt es auch heute noch Idealisten, die ihrem Land die Treue
halten, obwohl sie in anderen Staaten finanziell weit besser
dastehen würden. Bei diesen Idealisten handelt es sich
noch um echte Patrioten - sie bleiben nicht zuletzt aus
Vaterlandsliebe.
In Deutschland wurde aber der Patriotismus
weitgehend ausgerottet
(weil er sich vom geächteten Nationalismus zu wenig
abhob).
Wegen schlechter Berufsbedingungen (viel Stress und
Verantwortung bei niedrigem Gehalt und hohen Abgaben) planen
bereits viele Studenten ihre Auswanderung.
Die Buhmänner als Totschlagargument!
Dass
es auch in unserem Land viel Unrecht gibt, steht außer
Zweifel. Wie sich zum Beispiel manche Geschäftemacher
oder Investmentbanker mit unredlichen Methoden bereichert
haben, ist mehr als ein Ärgernis. Auch sind
tatsächlich viele Managergehälter wegen abstruser
Gewinnbeteiligungen inakzeptabel.
Gerade ist unsere Regierung dabei, das unanständige
Bonussystem im gehobenem Management zu regulieren.
Das ist der richtige Weg.
Opium fürs Volk
Ich
gewinne leider immer wieder den Eindruck, dass manch
einflussreichen Spitzenpolitikern der Wahlsieg wichtiger
erscheint als alles andere.
Ein Sieg der gegnerischen Partei wäre für sie der
Supergau, den es unbedingt zu verhindern gilt.
Ganz
ausgekochte Populisten bemühen gerne immer wieder
dubiose Scheinargumente: Sie behaupten ganz einfach, in
anderen Ländern würden höhere Einkommens- und
Vermögenssteuern bestens funktionieren.
Der eigentliche Skandal sind die
Steuerschlupflöcher!
Auch
wenn ich mich hier gegen eine Erhöhung der
Reichensteuer ausspreche, gibt es in einem Punkt doch
dringenden Handlungsbedarf: Die zahlreichen
Steuerschlupflöcher müssen endlich gestopft
werden! Die sorgen nämlich für echte
Ungerechtigkeit.
Ist es nur Unfähigkeit, die der Staat auf diesem Gebiet
an den Tag legt oder steckt doch anderes Kalkül
(Lobbyinteressen) dahinter?
Noch dümmer geht's nimmer.
Nur eine Steuervereinfachung und die Schließung der
Steuerschlupflöcher kann helfen und Gerechtigkeit
bringen.
Ablenkung vom eigentlichen Verrat...
Dass
es den Durchschnittsverdienern trotz permanenter
Produktivitätsverbesserung heute
schlechter geht als vor 30
Jahren,
ist alles andere als normal. Ebenfalls inakzeptabel ist,
dass wir seit 30 Jahren eine Massenarbeitslosigkeit
erdulden müssen, die selbst in Boomzeiten als
selbstverständlich hingenommen wird.
Wenn Sozialpolitiker ernsthaft etwas für ihre Klientel
tun möchten, dann wäre ein Umkehrprozess dieses
Irrwegs naheliegender als alles andere.
Wer die Arbeit mit 50 Prozent Abgaben belastet, den
Kapitaleinsatz (die Automatisierung) aber mit hohen
Subventionen und Steuergeschenken belohnt, der darf sich
nicht wundern, wenn Lohnverzicht und Massenarbeitslosigkeit
zur Selbstverständlichkeit werden und die
Marktwirtschaft nicht mehr funktioniert und ineffizient
wird.
1. Dänemark finanziert sein Sozialsystem (Kranken- und
Rentenversicherung) nicht über Beiträge wie in
Deutschland, sondern hauptsächlich über die Lohn-
und Einkommenssteuern. Insofern ist die tatsächliche
Abgabenlast kaum höher als in Deutschland.
Die gleichen Sozialpolitiker, die die hohen dänischen
Lohnsteuern loben, verschweigen diesen Fakt und lästern
über die hohe deutsche Mehrwertsteuer.
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!", 2002, "Das neue
Wirtschaftswunder. Die Entmachtung des globalen
Dumpingsystems", 2005, "Das
Kapital und die
Globalisierung",
2008.
Die Mehrwertsteuer wird von der Kapitallobby immer wieder
als unsozial dargestellt - aber ist sie das wirklich. Oder
haben Spekulanten und Geldjongleure nur Angst um ihre
Pfründe?
Ist es wirklich so einfach: Können die Folgen des
globalen Dumpingwettbewerbs (eingeleitet durch den Abbau der
Zölle) über höhere Steuern und Abgaben
gegenfinanziert werden?
Auch ohne Reichensteuer ist eine Humanisierung des
Kapitalismus möglich. Man muss eben nur an den
richtigen Stellen ansetzen.
Es bringt wenig, die Leistungsträger und Wohlhabenden
des Staates aus dem Land zu vergraulen. Vernünftiger
wäre es, konsequent Rohstoffvergeudung und
Umweltschädigung zu besteuern.
Die Ausbeutung einer ganzen Generation kann nicht durch
Umverteilung abgewendet werden. Wer wirklich etwas
ändern will, muss das globale Dumpingsystem abschaffen.
Die Weltwirtschaftskrise war vorherzusehen - aber warum
haben die Regierungen alle Warnsignale ignoriert?
Reichensteuer hin oder her - entscheidend für die
Zukunft unseres Staates sind ganz andere Dinge. Wie
unterscheiden sich die Parteien in den wirklich relevanten
Themen.
Fast alle Verwerfungen unserer Zeit finden ihren
Ausgangspunkt in der Globalisierung - also dem totalen
Freihandel durch Zollabbau.
Daraus resultieren all unsere Probleme, unser Niedergang:
Seit Jahrzehnten anhaltende Massenarbeitslosigkeit, sinkende
Reallöhne, ausufernde Staatsverschuldung. Diese
Grundsatzprobleme lassen sich weder durch Notprogramme noch
durch Reichensteuern oder Sozialabbau beheben - man muss
ganz woanders ansetzen.