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Pro
und contra Sparprogramm:
Ein
akzeptables Sparprogramm für
Deutschland?
Beim
Sparen hört die Freundschaft auf! Und so wundert es
auch nicht, dass das am 8. Juni 2010 von der deutschen
Regierung vorgestellte Sparprogramm auf wenig Gegenliebe
stößt.
Ist
das Sparprogramm sozial unausgewogen?
Wie
nicht anders zu erwarten, ließ der Vorwurf der
sozialen Unausgewogenheit nicht lange auf sich warten. Dabei
erweist sich aber diese beliebte Standardrhetorik wieder
einmal als scheinheilig. Denn nach wir vor gilt: Belastet
man die Besserverdiener, Reichen und Vermögenden zu
stark, werden diese unserem Hochsteuerland noch mehr als
bisher den Rücken kehren.
Deutschland
ist nun einmal keine Insel!
Viele
populistische Sozialpolitiker wollen es einfach nicht
verstehen bzw. ihren potentiellen Wählern weiter Sand
in die Augen streuen: Im Gegensatz zu vielen anderen
Ländern befindet sich Deutschland im Herzen Europas -
direkt angrenzend oder nicht weit entfernt von attraktiven
Niedrigsteuerstaaten.
Wir
können bei allem verständlichen Unmut nicht so
tun, als gäbe es diese Fluchtwege für die
Besserverdiener und Reichen nicht. Mit purer Ignoranz wurde
noch kein Problem gelöst!
Allein im Jahr 2009 wanderten über 700.000 Menschen aus
Deutschland aus - fast genauso viele zogen hinzu
(häufig aus fernen Armutsregionen). Der Haken dieser
modernen "Völkerwanderung": Es gehen
überproportional viele hochqualifizierte
Besserverdiener und Vermögende, es kommen
hauptsächlich geringqualifizierte
Wohlstandsflüchtlinge.
Kann
es sozial ausgewogene Sparprogramme überhaupt
geben?
Einmal
ganz ehrlich: Kann es angesichts der eindeutigen
Wanderbewegungen "sozial ausgewogene" Sparprogramme geben?
Wenn schon jetzt zigtausende Besserverdiener und
Vermögende Jahr für Jahr reissaus nehmen und
Bedürftige ins Land strömen, kann doch wohl eine
weitere Abstrafung unserer Eliten kaum den gewünschten
Erfolg bescheren.
Höhere
Spitzen-
und Vermögenssteuern
bringen einem Staat in einer freien Welt lediglich
kurzfristige Mehreinnahmen - weil die Abgezockten nicht
sofort reagieren können und ihre Ausreise planen
müssen. Spätestens nach zwei Jahren aber pendelt
das Steueraufkommen ins Negative - die Steuererhöhungen
führen fortan zu erheblichen
Mindereinnahmen.
Aber
könnte das Sparprogramm dann nicht wenigstens die
Unternehmer stärker belasten?
Auch
das laute Rufen nach höheren Unternehmenssteuern kann
nur als Volksverdummung gewertet werden. Denn auch hier ist
nichts zu holen, soll ein größerer Schaden
vermieden werden.
International
aufgestellte Firmen sind auf Deutschland als Firmenzentrale
oder Produktionsstandort nun wirklich nicht angewiesen.
Viele ausländische Alternativen wären für sie
schon heute attraktiver. Durch den weitgehenden Zollverzicht
seit 1980 (dem Beginn der Globalisierung) können die
meisten Konsumartikel in Deutschland nicht mehr
konkurrenzfähig hergestellt werden (man gehe nur einmal
in ein Kaufhaus und schaue, was dort noch wirklich als "made
in Germany" durchrutschen kann).
Rechnet man die verdeckte
Arbeitslosigkeit
mit ein, gibt es in Deutschland inzwischen etwa zehn
Millionen unterstützungsbedürftige Erwerbslose.
Eine
Unternehmenssteuererhöhung beschleunigt diesen
ruinösen Auslagerungsprozess. Da nützt es auch
wenig, wenn nach Erkennen dieser Zusammenhänge unsere
Politiker eines Tages ihre Fehler korrigieren und
Steuererhöhungen zurücknehmen. Haben sich die
Hersteller erst einmal im Ausland eingerichtet, kommen sie
auch bei aufklarendem Wetter so schnell nicht
wieder.
Aber
selbst bei den Kleinunternehmen, die keine
Möglichkeiten haben, ihre Tätigkeiten ins Ausland
zu verlagern, bringen höhere Unternehmenssteuern gar
nichts. Denn die Kleinunternehmer müssen letztlich alle
Kosten auf ihre Preise umlegen - am Ende zahlt immer der
Verbraucher. Nur in seltenen Ausnahmefällen, in denen
Firmen eine Art Monopolstellung genießen, gelten diese
Grundsätze nicht.
In
einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb (wie er in
Deutschland üblich ist), können höhere
Steuern nicht durch Gewinneinbußen aufgefangen
werden.
Wie hoch auch immer die Unternehmenssteuern ausfallen, die
Gewinne der Kleinbetriebe werden insgesamt besehen sich
stets auf ein erträgliches Mindestniveau
einpendeln.
Die Nulllinie dieses Niveaus bildet die Schmerzgrenze,
für die ein Unternehmer bereit ist, sich abzurackern
und das Geschäftsrisiko zu tragen. Bringt sein
Engagement dauerhaft zu wenig ein, macht er seinen Laden
einfach dicht (nicht wenige Chefs verdienen schon heute
weniger als ihre Mitarbeiter).
Höhere
Unternehmenssteuern machen nur bei angemessen Zollgrenzen
Sinn!
Es
gibt für einen Staat nur einen Ausweg, um an den
Gewinnen der Großunternehmer stärker zu
partizipieren: Er muss für angemessene
Importzölle sorgen!
Werden
bei der Einfuhr von Waren und Dienstleistungen saftige
Zölle erhoben, lohnt sich für die meisten
Produzenten eine Auslagerung ins Billigausland nicht. Hohe
Importzölle (oder Mehrwertsteuern) sind in Zeiten
niedrigster Transportkosten das einzige Mittel, den Global
Playern die Fluchtwege zu versperren und das
Kapitalistische
Ermächtigungsgesetz
auszuhebeln.
Was
nützen niedrige Steuern oder niedrige Löhne im
Nachbarland, wenn der Zoll alle Sparvorteile wieder zunichte
macht? Wer in Deutschland seine Waren absetzen will, wird in
die meisten Fällen bei funktionsfähigen
Zöllen auch hier produzieren müssen. Durch diesen
Schritt würde sich auch die seit 30 Jahren andauernde
Massenarbeitslosigkeit allmählich auflösen und
zehn Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.
Wenn
eine Partei es also wirklich Ernst meint mit ihrem sozialen
Engagement, dann kann sie eigentlich gar nicht anders - sie
muss erst höhere Zölle (bzw. Mehrwertsteuern)
durchsetzen, bevor sie sich an die Erhöhung der
Unternehmenssteuern heranwagt.
Nochmals:
ist das Sparprogramm der Regierung Merkel sozial
ausgewogen?
Wenn
man sich aus rein ideologischen Gründen an eine
Anhebung der Mehrwertsteuern oder Zölle nicht
herantraut, dann bleiben einem halt nur Eingriffe in der
Art, wie sie unsere Regierung jetzt vorgestellt hat. Dann
nutzt es auch wenig, sich über die Streichung sozialer
Wohltaten aufzuregen, die erst vor wenigen Jahren erfunden
wurden.
Warum
wurde 2007 trotz immenser Staatsverschuldung das
großzügige Elterngeld überhaupt
eingeführt? Keiner hatte diesen unerwarteten Geldsegen
damals wirklich vermisst - jetzt aber erntet man mit den
Einschränkungen nur Enttäuschungen. Man redet von
Sozialabbau, obwohl die Betroffenen auch nach der
Kürzung viel mehr bekommen als vor vier
Jahren.
Ausdrücklich
befürworten darf man, dass endlich auch das Kerosin der
Flugzeuge über den Umweg einer Flugverkehrsabgabe ein
wenig besteuert wird und dass die Lkw-Maut ausgeweitet
werden soll. Diese Maßnahmen hätten auch ohne
Sparzwang schon viel früher durchgesetzt werden
müssen (ich fordere sie schon seit mindestens 15
Jahren).
Aber,
aber, aber ...
Es
ist mir eigentlich zuwider, ausgerechnet für die
Reichen und Großunternehmen eine Lanze brechen zu
müssen (auch mein Herz schlägt eher links) - aber
die vielen unsachlichen Hetztiraden gegen das Sparprogramm
lassen mir leider keine andere Wahl.
"Aber
wieso wurde für das Hotelgewerbe die Mehrwertsteuer auf
7 % gesenkt?"
Die Mehrwertsteuerabsenkung für das Hotelgewerbe, die
weit vor Ausbruch der Eurokrise erfolgte, hat auch mich
nicht unbedingt begeistert (die hätte man besser im
Zuge einer allgemeinen Mehrwertsteuerreform
vornehmen sollen).
Doch
so einfach mit dem Sparprogramm aufrechnen lässt sich
die Sache nun auch nicht. Denn mittel- und langfristig
gesehen wird durch die nunmehr ermöglichte Preissenkung
bei den Übernachtungskosten Deutschland als
Reiseziel attraktiver - gut möglich, dass die
Mehrwertsteuereinbußen mehr als kompensiert werden
(der Staat also mehr einnimmt als ihn die ganze Sache
kostet).
Es
wird selten der Fall sein, dass sich die Hoteliers die
Mehrwertsteuerdifferenz als Gewinn in die Tasche stecken
können (wobei dann auch deutlich höhere
Einkommens- und Gewerbesteuern anfallen würden) - das
lässt der internationale Wettbewerb gar nicht zu.
Und, was man nicht vergessen sollte - auch der deutsche
Verbraucher profitiert von den niedrigeren Bettenpreisen.
Sein Deutschlandurlaub wird billiger - und wenn er gar wegen
der günstigen Übernachtungskosten hierzulande auf
einen Auslandsurlaub verzichtet, profitiert der Fiskus
doppelt - und auch die Umwelt wird geschont.
Eine
kleine Anmerkung am Rande: Erhöht der Staat die
Mehrwertsteuer, wird ihm soziale Kälte und
Preistreiberei vorgeworfen. Ermäßigt der Staat
die Mehrwertsteuer, dann heißt es plötzlich, dies
sei ein einseitiges Geschenk an die Unternehmer.
Wie
auch immer eine Regierung sich entscheidet, wird ihr ein
Strick daraus gedreht und ihr soziale Unausgewogenheit
vorgeworfen.
Nur wenn es einseitig den Besserverdienern und Reichen an
der Kragen geht, bleibt es still. Als die Regierung
Merkel 2007 den Spitzensteuersatz
anhob
und das Elterngeld einführte, wurde dies
stillschweigend als pure Selbstverständlichkeit
hingenommen.
"Aber
die Zahl der Millionäre in Deutschland ist doch
deutlich angestiegen..."
Es stimmt, die Zahl der Millionäre hat in den letzten
12 Monaten in Deutschland zugenommen. Aber lässt sich
aus diesen Zahlenspielchen wirklich eine soziale
Unausgewogenheit ablesen?
Man
betrachte nur einmal die Wertentwicklung der Aktien: vor
zehn Jahren lag der Dax etwa bei 8000 Punkten, im März
2009 fiel er unter die 4000er-Marke. Ein Jahr später
kletterte der Dax wieder auf 6000 Punkte - rein rechnerisch
sind durch diese Schwankungen viele Aktionäre
inzwischen wieder zu Millionären aufgestiegen (selbst
wenn ihre Aktien heute weniger wert sind als vor zehn
Jahren).
Auch
andere Faktoren führen zu einer ständigen
Vermehrung der Millionäre - zum Beispiel die stete
Geldentwertung, Erbschaften, Anstieg der Agrarbodenpreise,
Lottogewinne. Aus diesen komplexen Abläufen eine akute
soziale Schieflage herauszulesen halte ich dann doch
für unsachlich.
Weiterführende
Artikel:
Staatliche
Notmaßnahmen
Was tun, wenn Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung immer
weiter anwachsen?
Home
(Startseite www.neo-liberalismus.de)
Impressum
©
Manfred J. Müller, Flensburg
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Es
geht auch anders...
Der
obige Aufsatz beleuchtet nur einen
Teilaspekt, warum es in Deutschland seit 30 Jahren
bergab geht. Das ganze Ausmaß der Misere wird
in meinen Büchern aufgedeckt.
In
Deutschland fehlen nicht drei, sondern
zehn
Millionen versicherungspflichtige
Arbeitsplätze,
seit 30
Jahren sinken Reallöhne und
Renten
trotz doppelter Produktivität, die
Staatsschulden steigen ins Uferlose trotz
einschneidender Sparmaßnahmen und
ständig drohen neue Spekulationsblasen, Euro-
und Weltwirtschaftskrisen. Wer uns diese
Entwicklung als Erfolg verkaufen will ("uns geht es
doch allen gut"), hat keinen Respekt vor der
Wahrheit!
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Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlicht brisante
Aufsätze zu den heikelsten Themen. Er entwickelte neue
Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe
setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen
die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im
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