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Manfred
Julius Müller:
Die
Pressefreiheit im Zeichen des
Neoliberalismus
Seit
Jahrzehnten wird die öffentliche Meinung von den Medien
beeinflusst und kontrolliert. Leider ist selbst im Zeitalter
der Pressefreiheit der Informationsfluss ausgesprochen
einseitig. Viele selbstherrliche Kolumnisten beharren
besonders im wirtschaftspolitischen Bereich stur auf ihrer
Meinung und sind nicht im Geringsten bereit, ihre Haltung
angesichts immer deutlicher werdender Widersprüche zu
überdenken. So pflegen sie beispielsweise seit je das
neoliberale Gedankengut und offerieren den globalen
Dumpingwettbewerb
(Zollabbau) als einzig denkbare Alternative.
Auch
in Deutschland ist es um die Pressefreiheit
schlecht bestellt!
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Wen
kümmerts, dass seit
1980 die Reallöhne
sinken
und die echten
Arbeitslosenzahlen
Schwindel erregende Höhen erreicht haben? Die
"Vordenker" der Nation bestehen weiter stur und
unverrückbar auf längst überholten Dogmen.
Abgehoben schmettern sie alles ab, was nicht ihren
Vorstellungen entspricht. Wer sich nicht als Anhänger
ihrer Kostensenkungsdoktrin im Sozial- und Lohnkostenbereich
outet gilt als unbelehrbar und wird von den Pressezensoren
kaltgestellt - das heißt, seine Ansichten werden
konsequent ignoriert.
Wer sich gar erdreistet, die heiligen Kühe EU und
Globalisierung anzutasten, wird unversehens der
rechtsradikalen Szene zugeordnet.
Pressefreiheit:
So darf es nicht weiter gehen!
Das Diktat
der Medien muss aufgebrochen, ihr eigenmächtiges
Meinungsmonopol abgeschafft werden. Wir brauchen endlich
offene und ehrliche Debatten über die wahren Ursachen
des wirtschaftlichen Niedergangs und keine
weiteren neoliberalen
Ablenkungsmanöver.
Die
neoliberalen Wortverdreher, die Souffleure vieler Politiker,
hatten über zwei Jahrzehnte das Sagen und haben am
deutschen Staat genug herumexperimentiert. Sie haben ihre
Chance gehabt und sind gescheitert.
Wer
weiterhin unbeirrt am neoliberalen Lohn- und Sozialdumping
festhält, ohne sachlich auch auf die Alternativen
einzugehen (z. B. angemessene
Zollgrenzen),
beweist nicht nur seine Inkompetenz, sondern muss sich
auch den Vorwurf der massiven Manipulation und
Desinformation gefallen lassen.
"Pressefreiheit?"
- Das öffentliche Meinungsbild bestimmen auch
in Deutschland immer noch die
Verleger!
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Wie
steht es um unsere Pressefreiheit?
sw-magazin:
Herr Müller, was halten Sie von der Pressefreiheit in
Deutschland?
Müller: Ich bin ja nicht der Erste der
feststellt, dass die Pressefreiheit in der Praxis
gleichzusetzen ist mit dem Recht der Großverleger,
ihre Meinung zu verbreiten.
sw-magazin: Ist es in anderen Ländern um die
Pressefreiheit besser bestellt?
Müller: Ich denke nicht. Überall haben die
Mächtigen dieser Welt die kleinen und
mittelständischen Verlage aufgekauft und zu
einflussreichen meinungsbildenden Fabriken verschmolzen.
Dass es anderswo nicht besser läuft heißt aber
nicht, dass man es nicht anders hätte machen
können.
sw-magazin: Sie meinen also, die Monopolisierung im
Medienbereich hätte nicht stattfinden müssen?
Müller: Ja, genau. Es ist zwar müßig,
über vergangene Fehler zu reden, aber es hätte
durchaus Möglichkeiten gegeben, die
Selbständigkeit der mittelständischen Verlage zu
sichern. Ein strengeres Kartellrecht z. B. hätte manche
Übernahme verhindert.
sw-magazin: Ist nun alles gegessen, kann jetzt nichts
mehr unternommen werden?
Müller: Natürlich ließe sich der
Konzentrationsprozess im Medienbereich umkehren. Es
gäbe Dutzende von Möglichkeiten.
sw-magazin: Wirklich? Was würden Sie
vorschlagen?
Müller: Um nur ein Beispiel zu nennen - man
könnte eine Art Monopolsteuer einführen für
Großverlage.
Aber keine Angst, eine Umsetzung dieses Vorschlags ist kaum
zu befürchten, da keine Partei und kein Politiker es in
Betracht ziehen würde, die Medienbosse zu verprellen.
Wer es dennoch wagen würde, beginge politischen
Selbstmord.
sw-magazin: Sie zweifeln an der Objektivität der
Medien?
Müller: Ja, gewiss. Alle politischen Eingriffe
der vergangenen 20 Jahre haben letztlich dazu geführt,
dass es den Konzernen und dem Großkapital heute
besser, der Bevölkerung aber schlechter geht. Weil die
Medien die Legislative mehr oder weniger dirigieren oder
zumindest bevormunden, tragen sie für diese Entwicklung
eine hohe Verantwortung.
sw-magazin: Sehen Sie das nicht ein wenig
überzogen, überschätzen Sie nicht den
Einfluss der Medien?
Müller: Ich habe beobachtet, dass selbst
seriöse Blätter ihre Voreingenommenheit schwerlich
ablegen können und oft nur ihre eigene Meinung gelten
lassen. Wenn es etwa um die Probleme der Globalisierung
geht, verstehen sie es, jede aufkommende Diskussion
über angemessene Zollgrenzen oder Importsteuern im Keim
zu ersticken. Wortgewandt polemisieren sie in diesem
Zusammenhang sofort über Abschottung
und Protektionismus
und behaupten, alle Experten seien dagegen. Wer es wagen
würde zu widersprechen, verlöre gleichsam seinen
Expertenstatus.
Auf der anderen Seite bringen die Redaktionen ihre
Lieblingsideen immer wieder ins Gespräch (z. B. den
Kombilohn, Aufhebung des Kündigungsschutzes usw.) - so
lange, bis die Politiker endlich nachgeben und sich
"einsichtig" zeigen.
sw-magazin: Sie meinen also, bei den Medien dominiere
der Eigennutz?
Müller: Genau! Es gibt hunderte Beispiele
dafür. So profitieren z. B. etliche Verlage selbst von
der fehlenden Tariflohnpflicht. Vor zehn Jahren noch
verfügten fast alle Zeitungs- und Zeitschriftenverlage
über eine eigene Satzherstellung mit hochbezahlten
Technikern. Inzwischen wurden diese Arbeiten weitgehend
ausgelagert an Subunternehmer. Diese abhängigen
Subunternehmer werden derart im Preis gedrückt, dass
Tariflöhne längst zur Utopie wurden. Ich kenne
viele Schriftsetzer, die heute real nur noch halb so viel
verdienen wie vor zehn Jahren. Die neoliberale Propaganda,
die ständige Forderung nach der Flexibilisierung der
Arbeitswelt, liegt also im ureigensten Interesse der
Pressezaren.
sw-magazin: Wären denn Ihrer Meinung nach die
vielen staatlichen Probleme lösbar.
Müller: Natürlich, wenn man offen und
ehrlich und vor allem unzensiert über alles reden
würde, könnte mit den richtigen Weichenstellungen
der Teufelskreis aus Massenarbeitslosigkeit, sinkenden
Löhnen und Steuererhöhungen schnell durchbrochen
werden. Wie das geht und wie auch die
Entwicklungsländer nicht zu kurz kommen, habe ich knapp
und präzise in meinem Buch "Anti-Globalisierung.
Zurück zur Vernunft!"
beschrieben.
Bislang haben nicht einmal meine Gegner meine Thesen
widerlegen können und ich kann mir auch kaum
vorstellen, dass es je gelingen könnte.
Schließlich habe ich an meinen Konzepten zehn Jahre
gearbeitet und die Auswirkungen in Tausenden von Szenarien
immer wieder durchgespielt. Für unliebsame
Überraschungen gibt es da wenig Spielräume.
sw-magazin: Herr Müller, wir danken Ihnen
für das Gespräch.
Home
(Eingangsseite www.neo-liberalismus.de)
©
Manfred J. Müller, Flensburg, 2002
Weiterführende
Texte zum Thema Meinungsbildung und
Pressefreiheit:
Die
gekaufte Meinung am Beispiel der Propaganda für die
EU-Osterweiterung
Mediendemokratie
oder Mediendiktatur?
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die
Globalisierung".
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Die
am meisten gelesenen Seiten aller von mir betriebenen
Domains:
Treibt
uns die Globalisierung in den
Ruin?
Was geschieht wirklich durch die Globalisierung. Was
wird aus unseren Arbeitsplätzen. Werden wir auf Dauer
den globalen Kampf um die niedrigsten Löhne gewinnen
oder wird Deutschland untergehen?
Tabuthema
Protektionismus
Warum wird das Thema so unehrlich angegangen? Warum spielt
man dem Volk eine heile Welt vor?
Die
unsichtbaren Grenzen des
Sozialstaats
Die Belastungsgrenze des Sozialstaates ist längst
überschritten. Die Erwerbstätigen können gar
nicht mehr erwirtschaften, was Politiker im Wahlrausch so
alles versprechen. Erfolgt eine Umverteilung bis zum
Untergang?
Das
Märchen von der internationalen
Arbeitsteilung
Kann eine internationale Arbeitsteilung überhaupt
funktionieren, wenn die Lohnkosten konkurrierender Staaten
um über 1000 Prozent auseinanderklaffen?
Aber
Deutschland lebt doch vom
Export...!
Der Mythos vom "Exportweltmeister" verwirrt noch immer viele
Politiker. Was passiert, wenn die Realitäten weiterhin
verdrängt werden?
Echte
Demokratie oder doch nur
Scheindemokratie?
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Zeiten Schindluder getrieben.
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Wie entstehen und verlaufen Weltwirtschaftskrisen? Was
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das
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handlungsfähig?
Wer
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Gerechtigkeit?
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Bundestagswahlen
als Feigenblatt der
Demokratie?
Welchen Einfluss haben Wahlen überhaupt noch auf die
Demokratie?
In
20 Jahren unabhängig vom
Erdöl!
Wenn man es dann wirklich will, könnte man sehr schnell
von fossilen Brennstoffen loskommen.
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